An schönen Tagen



 


Aus der schlechtesten Hand kann Wahrheit mächtig auch wirken;
bei dem Schönen allein macht das Gefäß den Gehalt.


Friedrich  Schiller




 

Der Weg

Möcht an schönen Tagen gehen
durch alle Welten hin zu dir.
Könnt im Sonnenlicht vergehen
und mit dir schwärmen für und für.

Schaue träumend zu den Bäumen,
die am Wegesrande blühen.
Sehe an des Waldes Säumen,
Kraniche, die heimwärts ziehen.

Hin durch saftig grüne Auen
eile ich sehnend hin zum Ziel.
Kann jetzt nur auf Hoffnung bauen
und auch auf das, was mir gefiel.

Nach langer Wand´rung naht die Nacht,
deckt mich mit ihrem Mantel zu.
Nur noch der Mond da droben wacht,
ich leg mich hin und komm zur Ruh.

© by Gilbert 2004









Gedanken

  Am hohen Himmelszelt
seh ich der Sterne Licht,
die bunte Blätterwelt
schützt mich im Traume dicht.

 Blumen auf der Wiese
sind von der Hitze warm,
 Wind mit leichter Brise
wecket ihren Charme.

 Sie sind nun ausgelost,
zu feiern diese Nacht.
Ich fühle leichten Trost
und schlafe in der Pracht.

 © Gilbert 2004








Eine Bitte

Weil bei mir, du hehrer Engel,
Schenk mir deine ganze Kraft
in milder, dunkler, träumerischer,
unergründlich tiefer Nacht.

Nimm mit deinem Zauberschwerte
alles Leid hinweg von mir,
daß du über meinem Leben
wachend schwebest, für und für.

© by Gilbert 2004










Hingabe

Warum werfen wir uns hin
jedem dummen Grauen?
Laßt uns doch mit ganzem Sinn
dem Gestirn vertrauen.

Das wohl niemals echt vernimmt
unser Schrei´n und Klagen!
Doch sein Licht so zart bestimmt,
daß wir es ertragen.

© by Gilbert 2004









Bergsee

Möcht über deinen Wassern schweben
und ganz von deinem Blau betört,
Leichtigkeit des Seins erleben,
von allen Sorgen unbeschwert.

Möcht durch hohe Tannen gehen,
Geruch des Harzes auf der Haut.
Einen Blütenteppich weben,
der lieblich zu den Höhen schaut.

Möcht zu jenen Bergen blicken,
die sich an den Wolken laben.
Grüße in den Himmel schicken
und in kühler Feuchte baden.

© by Gilbert 2004







An Paloma

Ein kleines Täubchen lebt im Glück,
im großen, weiten Ozean.
Legt hin zu Palmen sein Geschick
denkt nicht mehr an den Enzian.

In warmer Luft und lichten Weiten
kann es jetzt so wohlig ruhen.
Über traute Inseln schweifen,
Muscheln sammeln in die Truhen.

Wird ganz sanft vom Wind getragen
über südliche Gestade.
Hat ihr Zelt nun aufgeschlagen
nah zur Sonne, jetzt gerade.

Ein schöner Traum ist endlich wahr,
so lang ersehnt und angestrebt.
Es tanzt jetzt den Flamenco gar,
der in des Südens Welten lebt.

© by Gilbert 2004



 

 



Es wird Sommer...

Es wird Sommer und ich werd 66,
langsam, wie ich immer war.
Werde reifer und bedächtig,
Hoffend, wie in jedem Jahr.

Das dunkle Haar geblichen schon,
seh ich bald die Astern blühn.
Höre des Kranichs Flügelton,
wenn er will zum Süden ziehn.

Leg nun die Hände in den Schoß
kann mich ganz dem Dichten weihn.
Wo sind die Jugendträume bloß,
nur noch Milde und Verzeihn?

Es wird Sommer und ich bin 65,
Umstand, der mich leis umgibt.
In den Blättern rauscht es mächtig,
wenn sich manche Buche wiegt.

Lautes wendet sich zum Leisen,
Junges sich der Reife zu.
Such nicht mehr den Stein der Weisen,
Leg mich hin und deck mich zu.

© by Gilbert 2004









Die Rast

Lache, liebe Sonne, lache
gerad mir in das Angesicht,
daß die Wärme müd mich mache,
mitten in des Tages Licht.

Ach, wie schön ist dieses Rasten,
wenn sanft  mich kost dein lieber Strahl.
Weit entfernt ist alles Hasten,
fühl keine Schmerzen, keine Qual.

Der Vögel Laut klingt an mein Ohr,
mischt sich mit des Waldes Rauschen.
Wann hört ich jemals solchen Chor,
könnt in Ewigkeit ihm lauschen.

Und dann ist nichts mehr, was mich hält,
offen ist das Tor der Träume.
Nichts mehr ist wichtig auf der Welt,
 ich erreich des Himmels Säume.

by Gilbert 2004







 

 Hoffen

Liebe Sonne, weißt du,
was unsre Welt zerbricht?
Sonne, ja dann siehst du,
woran es uns gebricht.

Willst es mit uns teilen?
ach, traurig schau ich zu.
Kannst du es nicht heilen?
O Sonne, könntest du!

© by Gilbert 2004 









Am Mittag

Wie überm ruhigen Waldsee so schwer
lastet ein sengendes Schweigen.
Ein Flüstern, ein lispelndes, bebt noch hierher,
kommend von blühenden Zweigen.

Die eilige bunte Libelle schwirrt
über das Wasser, das blanke.
Als leise im dürren Geäste irrt
ein nie gefühlter Gedanke.

© by Gilbert 2004 









Das graue Vöglein

Ja, wer wohl hat es je gehört,
das zarte Lied der Nachtigall.
Wenn du das  graue Vöglein störst,
vernimmst du niemals seinen Schall.

Da leis der Wald am Abend ruht,
Tier und Pflanzen selig träumen,
dann neigt sich auch der Mond herzu,
auch die Sternlein woll´ns nicht säumen.

 Jetzt beginnt das süsse Schlagen,
so perlend rein und seltsam klar.
Man mag nicht zu atmen wagen
und denkt nur, alles ist nicht wahr.

© by Gilbert 2004








Der blinde Rufer

Der blinde Greis dort an dem Ufer,
reckt weit die Arme übers Meer.
Mit sich allein ist dieser Rufer,
nur lautes Toben um ihn her.

Du raubtest mir der Augen Lichter,
durch sie allein sah ich die Welt.
Mit ihr nur fühlt ich wie ein Dichter
und träumte mich zum Himmelszelt.

Du rissest sie aus meinen Armen
hinab ins rauschend nasse Grab.
Wohl flehte ich um dein Erbarmen,
du gabst nicht her, was du erwarbst.

Du raubtest mir des Alters Freude
mein wunderschönes Töchterlein.
In nasser Schwärze weint die Beute,
zerreißt mein Herz, mein ganzes Sein.

O, wär ich Moses, ich würd teilen,
deinen so maßlos tiefen Schlund.
Würd blindlings rasend zu ihr eilen,
bis auf den wüsten schwarzen Grund.

Da dröhnen laut die scharfen Winde,
die Riesenwelle stürzt heran.
Reißt zu sich her den Greis geschwinde
und schon ist es um ihn getan.

Die Möwen kreisen in den Lüften,
in ew´gem Rauschen liegt die See.
Der Mond steigt auf aus fernen Klüften,
nichts mehr weist hin aufs tiefe Weh. 

© by Gilbert 2004





 

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